Blindes Vertrauen? Jeder 5. Österreicher liest den Mietvertrag nicht

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Wie eine aktuelle Studie zeigt, liest jeder fünfte Mieter seinen Mietvertrag nicht durch, sondern unterschreibt ihn einfach blind. Die Gründe der Schnellunterzeichner sind jedoch unterschiedlich und lassen sich in vier verschiedene Typen einteilen.

Jeder fünfte Österreicher schaut nicht genauer hin, wenn er den Mietvertrag unterschreibt. Foto: Svitlana/fotolia.com

Sobald die Traumwohnung gefunden ist und der Vermieter ja sagt, lassen viele Mieter jegliche Vorsicht fahren. Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) unterschreibt den Mietvertrag ungelesen, wie eine aktuelle Studie von immowelt.at zeigt.* Immerhin zwölf Prozent der Wohnungssuchenden überfliegen die Papiere zumindest einmal komplett, 28 Prozent lesen sie sogar mehrfach durch. Die Mehrheit aller Befragten (42 Prozent) hat den Mietvertrag wenigstens einmal intensiv gelesen.

Wer einen Mietvertrag ungelesen unterschreibt, hat ein hohes Risiko, dass er damit nachteilige oder ungültige Vereinbarungen akzeptiert. Warum dennoch jeder fünfte Österreicher das in Kauf nimmt, hat die Studie ebenfalls genauer untersucht. Die Gründe lassen sich vier verschiedenen Typen zuordnen. Das sind:

Die Kurzentschlossenen

Unter jenen Mietern, die ohne langes Federlesen gleich zum Stift greifen, glauben fünf Prozent, dass sie sowieso nichts an dem Mietvertrag ändern könnten. Sie sind einfach nur froh, überhaupt eine Wohnung bekommen zu haben – also sagen sie lieber rasch zu, bevor es sich der Vermieter anders überlegt.

Die Formular-Freunde

Einige, die ins Blaue hinein den Vertrag unterschreiben, vertrauen auf den vorgefertigten Standardmietvertrag (sechs Prozent). Sie unterschreiben ihn mit dem guten Gefühl, wenn es ein vielfach verwendeter Vordruck ist, werde mit dem Mietvertrag sowieso alles in Ordnung sein.

Die Vertrauensseeligen

Weitere sechs Prozent der Mieter schenken ihr Vertrauen nicht einem vorgefertigten Stück Papier, sondern lieber ihrem Partner oder ihren Eltern. Sie lassen den Vertrag einfach von einer Person ihres Vertrauens durchlesen – wenn die den Mietvertrag für gut hält, wird das schon so sein.

Die Minimalisten

Ein kleiner Teil (ein Prozent) der eiligen Unterschreiber hat zumindest einen Teil des Mietvertrages gelesen – nämlich den, der händisch eingetragen werden musste. Zum Beispiel, ob der eigene Name richtig geschrieben wurde und die Miethöhe stimmt. Nicht viel, aber immerhin etwas.

Tendenz: Typen unterscheiden sich je nach Einkommen

In der Studie wurden die verschiedenen Mieter-Typen auch noch einmal auf ihr Gehalt hin untersucht. Das Ergebnis: Zu jenen, die ihn gründlich durchlesen, zählen nahezu gleich viele Besser- wie Geringverdiener. Die Gründe für das Nicht-Lesen unterscheiden sich hingegen deutlich: In der Gruppe der Kurzentschlossenen sind 17 Prozent Geringverdiener und sieben Prozent Besserverdiener. Das wundert kaum – wer gut verdient, hat auch ein höheres Budget bei der Miete und hat bei der Wohnungssuche meist weniger Konkurrenten. Die Besserverdiener (elf Prozent) unterschreiben eher ohne zu lesen, weil sie glauben, der Standardmietvertrag werde ohnehin in Ordnung sein.

Fallstricke bei vorschnellem Unterschreiben

Unabhängig davon, welche Gründe für eine schnelle Unterschrift sprechen, kann dies Mietern schnell zum Verhängnis werden. Denn viele veraltete Mietverträge enthalten oft ungültige Klauseln. Zudem können im Mietvertrag bis zu sechs Bruttomonatsmieten an Kaution vereinbart werden. Beschädigt der Mieter die Wohnung, kann der Vermieter die Kaution im Gegenzug teils oder gar komplett einbehalten.

Link-Tipp

Gehen Sie auf Nummer sicher: Laden Sie hier den kostenfreien Mustermietvertrag vom Fachanwalt herunter – und ein Übergabeprotokoll.

*Für die von immowelt.at beauftragte repräsentative Studie „Wohnen und Leben 2018“ wurden im Februar 2018 österreichweit 501 Personen (Online-Nutzer) ab 18 Jahren befragt. Davon gaben 196 an, zur Miete zu wohnen.

19.06.2018


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