Neues Erbrecht 2017: Das ändert sich für Immobilieneigentümer

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2017 ändert sich das Erbrecht zum ersten Mal seit über 200 Jahren: Künftig können zum Beispiel auch Lebensgefährten einen Erbanspruch haben. Und: Lebensversicherungen als Mittel zur Immobilienfinanzierung werden unattraktiver.

Auf Immobilieneigentümer, -erben und -käufer kommen 2017 zwei neue Regelungen zu. Zum einen wird das Erbrecht reformiert und Pflichtanteile unter den Erben neu verteilt. Zum anderen sinken die Garantiezinsen für Lebensversicherungen, als Mittel zur Immobilienfinanzierung werden sie dadurch unattraktiver.

Erbrecht, Erbrechtsreform, 2017
Für alle Sterbefälle ab dem 1. Jänner gilt das neue Erbrecht. Foto: Kontrec/iStock

Das Erbrecht wird reformiert

Oft stellt die eigene Immobilie den größten Teil des Vermögens dar. Wenn der Eigentümer stirbt, stellt sich die Frage: Wer bekommt die Immobilie? Ab dem 1. Jänner 2017 wird diese Frage unter Umständen anders beantwortet, als dies seit 1811 der Fall war: Denn das über 200 Jahre alte Erbrecht wird reformiert.

Erbrecht für Lebensgefährten

Zukünftig kommt nicht nur Ehepartnern und eingetragenen Partnern, sondern auch Lebensgefährten ein gewisses Erbrecht zu. Zumindest dann, wenn der Verstorbene und dessen Lebensgefährte mindestens drei Jahre einen gemeinsamen Haushalt geführt haben. In Zukunft wird Lebensgefährten das gesamte Erbe zugesprochen, wenn keine anderen gesetzlichen Erben vorhanden sind oder nichts anderes im Testament vermerkt wurde. Außerdem dürfen Lebensgefährten für ein Jahr weiter in der gemeinsam benutzten Wohnung des Verstorbenen leben.

Wird eine Ehe geschieden oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft aufgehoben, so gelten Testamente und Ansprüche automatisch als aufgehoben.

Pflichtteil und Pflegevermächtnis

Künftig haben nur noch Nachkommen und Ehe- oder eingetragene Lebenspartner eines Verstorbenen Anspruch auf einen Pflichtteil, nicht mehr die Eltern oder Großeltern des Verblichenen. Geschwister gehen künftig ebenfalls leer aus, es sei denn natürlich, sie sind ausdrücklich im Testament bedacht.

Stattdessen können Angehörige, die eine Person in den letzten drei Jahren vor ihrem Tod mindestens sechs Monate lang für mehr als 20 Stunden im Monat unentgeltlich gepflegt haben, ein sogenanntes Pflegevermächtnis geltend machen. Die Höhe ist nicht gesetzlich geregelt: Sie soll von einem Gerichtskommissär ermittelt werden und kann sich beispielsweise am Lohn einer professionellen Pflegekraft orientieren.

Bisweilen stellt sich für Erben das Problem, dass an weitere Erben ein Pflichtteil oder künftig auch ein Pflegevermächtnis ausgezahlt werden muss. Das ist insbesondere dann relevant, wenn das Erbe hauptsächlich aus einer Immobilie besteht und kaum oder kein Geldvermögen vorhanden ist. Künftig kann die Auszahlung des Pflichtteils für fünf, in Ausnahmefällen bis zu zehn Jahre gestundet werden. Voraussetzung: Der Erbe ist auf die Immobilie angewiesen.

Enterbung: leichter gemacht

Auch die Enterbungsgründe werden mit der Reform geändert. Führt der Erbe eine „gegen die öffentliche Sittlichkeit anstößige Lebensart“, so ist das kein Enterbungsgrund mehr. Wer dagegen zu Lebzeiten am Erblasser oder dessen nahen Angehörigen ein Verbrechen mit mehr als einjähriger Strafandrohung begeht, kann künftig leichter enterbt werden.

Lebensversicherungen: Noch weniger Zinsen

Bisweilen werden Immobilien mit einer Kombination aus tilgungsfreiem Darlehen und einer Lebensversicherung als Tilgungsträger finanziert. Das bedeutet: Die Darlehenshöhe sinkt während der Laufzeit nicht, statt das Darlehen zu tilgen, zahlt der Käufer auf eine Lebensversicherung ein. Der komplette Kredit wird erst am Ende mit der bis dahin angesparten Auszahlungssummer der Lebensversicherung getilgt. Diese Form der Finanzierung wird künftig unattraktiver. Denn der gesetzlich festgelegte Garantiezins für Lebensversicherungen sinkt zum 1. Jänner 2017 für neue Verträge von einem auf 0,5 Prozent.

21.12.2016


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