Weg mit Nachbars Hecke – Grundeigentümer dürfen zur Motorsäge greifen

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Wenn die Hecke des Nachbarn auf das eigene Grundstück ragt, dürfen Grundeigentümer diese zurückschneiden. Wie der Oberste Gerichtshof (OGH) jetzt entschieden hat, müssen diese Arbeiten nicht sachgerecht durchgeführt werden. Auch dürfen Grundeigentümer selbst wählen, wann sie die Hecke zurückschneiden und sind nicht verpflichtet, für einen regelmäßigen Rückschnitt zu sorgen (Az.: 4 Ob 41/16g).

Hecke, Motorsäge, Foto: petert2/fotolia.com
Motorsägenmassaker: Wer einen Heckenüberhang vom Nachbargrundstück auf seinem Grundstück entfernt, muss dabei nicht auf die speziellen Bedürfnisse der Hecke achten. Foto: petert2/fotolia.com

Sie ist das Schlachtfeld zahlreicher Nachbarschaftsstreitereien: die Hecke. Das Problem: Anders als ein Zaun hat eine Hecke ein Eigenleben. Sie wächst und hält sich dabei nicht an Grundstücksgrenzen. Schon vor einigen Jahren nahm durch einen solchen unkontrollierten Heckenwuchs ein Streit seinen Ausgang, der vor dem Obersten Gerichtshof nun seinen Höhepunkt und gleichzeitig sein Ende fand. Der Kläger hatte an der Grenze zum Grundstück seines Nachbarn eine Thujenhecke gepflanzt, die jahrelang nicht zurückgeschnitten wurde.

Im Jahr 2012 musste der Eigentümer der Hecke einsehen, dass sie zu weit über die Grundstücksgrenze gewachsen war. Er musste zwei Drittel des Gewächses zurückschneiden lassen. Dies geschah, wie der OGH feststellte, nicht sachgerecht. Nachdem die Hecke nachgewachsen war, griff der Nachbar des Heckeneigentümers ein Jahr später selbst zur Motorsäge und entfernte einen weiteren Teil der Hecke auf seinem Grundstück. Dies geschah erneut nicht sachgerecht, nämlich durch Schnitte bis ins laublose Holz.

Hecke nicht sachgerecht zurückgeschnitten

Der Kläger war mit der Art des Zurückschneidens nicht einverstanden. Vor Gericht verlangte er von seinem Nachbarn einen Schadenersatz von rund 5.000 Euro. Auch solle er künftig alle nicht fachgerechten Arbeiten an der Hecke unterlassen.

In letzter Instanz wies der OGH jetzt die Klage des Heckenbesitzers ab. Grundeigentümer seien nicht verpflichtet, für einen regelmäßigen Rückschnitt des Heckenüberhangs zu sorgen. Sie dürfen sich im Gegenteil selbst aussuchen, wann sie zur Kettensäge greifen und müssen die Arbeiten auch nicht fachgerecht ausführen. Dies gelte zumindest dann, wenn ein lauberhaltendes Rückschneiden nur in kleinen Schritten über mehrere Jahre möglich gewesen wäre.

Der Streit um die Hecke hat damit nach drei Jahren sein Ende gefunden und die beiden Grundstückseigentümer müssen einen Weg finden, mit dem Urteil der obersten Richter umzugehen. Wie es aktuell um die Hecke steht, ist nicht bekannt.

06.07.2016


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