OGH-Urteil stärkt Anspruch der Makler auf Provision

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Ein Makler hat auch dann Anspruch auf eine Provision vom Immobilienverkäufer, wenn ein Alleinvermittlungsauftrag bereits abgelaufen ist und er für den Verkauf der Immobilie nur teilweise mitverantwortlich ist. Das hat der Oberste Gerichtshof (OGH) entschieden.

Urteil, Richter, Foto: Pakhnyushchyy/fotolia.com
Die Richter des OGH haben entschieden, dass Makler auch dann Anspruch auf Provision haben, wenn ein Alleinvermittlungsauftrag bereits abgelaufen ist. Foto: Pakhnyushchyy/fotolia.com Foto: Pakhnyushchyy/fotolia.com

Erhält ein Makler von einem Immobilienverkäufer einen Alleinvermittlungsauftrag, so bedeutet das, dass nur er alleine mit dem Verkauf einer Immobilie beauftragt worden ist. Alleinvermittlungsaufträge sind zeitlich begrenzt, laufen also nach einer gewissen Dauer von selbst aus. Schafft es der Makler in dieser Zeit nicht, die Immobilie zu verkaufen, geht er aber dennoch nicht unbedingt leer aus, wie der OGH jetzt entschied (Az.: 8 Ob 74/15p). Hat er während der Laufzeit des Alleinvermittlungsauftrags den späteren Käufern die Immobilie bereits gezeigt, kann er einen Provisionsanspruch geltend machen, urteilten die Richter.

Verkäuferin muss Makler Provision zahlen

Im verhandelten Fall hatte die Eigentümerin einer Liegenschaft mit einem Makler einen befristeten Alleinvermittlungsauftrag geschlossen. Der Makler schaltete daraufhin Inserate und wies mit Anschlägen am Haus auf den Verkauf der Immobilie hin. Die späteren Käufer sahen einen solchen Anschlag und besichtigten daraufhin das Haus – auch im Beisein der Verkäuferin. Sie wurden sich jedoch nicht einig und es kam zunächst nicht zum Kauf.

Nachdem der Alleinvermittlungsauftrag abgelaufen war, schaltete die Eigentümerin selbst online eine Anzeige. Die ehemaligen Interessenten wurden wieder auf das Haus aufmerksam und kontaktierten die Eigentümerin. Nachdem sich Käufer und Verkäuferin jetzt auf einen geringeren Preis einigten, schlossen sie einen Kaufvertrag. Als der Makler davon erfuhr, verlangte er von der Verkäuferin die ursprünglich vereinbarte Maklerprovision. Diese wollte jedoch nicht zahlen. Sie vertrat den Standpunkt, dass die Tätigkeit des Maklers nicht ursächlich für den Vertragsabschluss war, bestritt also die sogenannte Verdienstlichkeit.

Provision auch nach Ende des Alleinvermittlungsauftrags

Der Ansicht der Verkäuferin widersprachen die Richter des OGH. Von einer Verdienstlichkeit des Maklers sei dann auszugehen, wenn dem Kaufinteressenten das Objekt gezeigt oder dem Verkäufer der Name des Interessenten bekanntgegeben werde. Auch sei die Arbeit des Maklers zumindest eine Ursache für den späteren Verkauf gewesen. Nur, weil zwischenzeitlich auch andere Ursachen hinzugekommen seien, gehe der Zusammenhang zwischen der Arbeit des Maklers und dem Abschluss des Kaufvertrags nicht verloren.

Am Ende musste die Verkäuferin dem Makler also seine Provision zahlen – obwohl der Alleinvermittlungsauftrag bereits abgelaufen war und sie danach selbst im Internet Anzeigen geschaltet hatte.

04.12.2015


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