Grillen, Rasenmähen, Nacktsonnen – was Nachbarn dulden müssen und was nicht

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Endlich wird‘s wieder wärmer draußen – Anlass für viele, den hauseigenen Garten ausgiebig zu nutzen. Die Sommerzeit birgt jedoch auch Potenzial für Streit. Denn regelmäßiges Grillen, Rasenmähen, Nacktsonnen oder hässliche Gartenzwerge sind für viele Nachbarn ein Ärgernis. Was Nachbarn dürfen – und was nicht.

Nachbarn, Rasenmäher, Foto: PhotographyByMK/fotolia.com
Um Streitereien zwischen Nachbarn zu vermeiden, darf der Rasenmäher nur zu bestimmten Zeiten angeworfen werden. Foto: PhotographyByMK/fotolia.com Foto: PhotographyByMK/fotolia.com

Der Sommer naht mit großen Schritten und treibt die Leute aus dem Haus. Für viele Hausbesitzer ist jetzt die Zeit, den Rasen zu mähen, den Garten herzurichten und zu dekorieren und die Grillsaison einzuweihen. Nachbarn gefällt das nicht immer, denn weder die Nebelschwaden des Kohlegrills, noch die ratternden Geräusche des Rasenmähers machen an den Grundstücksgrenzen halt. Nachbarschaftsstreit ist allzu oft die Folge.

Grillen und Rasenmähen: Maßgeblich ist, was ortsüblich ist

Grundsätzlich gilt: Ein einheitliches Nachbarschaftsrecht, das festlegt, wer wo wann wie lange grillen darf, gibt es in Österreich nicht. Stattdessen findet sich im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) ein Abschnitt zu sogenannten „unzulässigen Immissionen“ – dazu zählen sowohl Lärm als auch Rauch, das Gesetz betrifft also sowohl den Grill als auch den Rasenmäher. Solche Immissionen können nur dann untersagt werden, wenn sie das ortsübliche Maß überschreiten. Welche Beeinträchtigungen ein Hauseigentümer dulden muss, hängt also vom Einzelfall ab – genauer gesagt: von der unmittelbaren Umgebung.

Ein Beispiel: Ein krähender Hahn kann in ländlichen Gegenden als ortsüblich gelten, in der Innenstadt jedoch nicht. Dort wiederum sind Baulärm sowie Motorengeräusche üblicher als auf dem Land. Gelegentliches Grillen im Garten oder auf dem Balkon sowie das Mähen des Rasens dürften in den meisten Fällen als ortsüblich gelten und können somit nicht generell untersagt werden. Für das Rasenmähen und andere Tätigkeiten die Lärm verursachen, wie Laubbläser oder Heckenschneider, gelten von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedliche Ruhezeiten. Eine vom Bundeskanzleramt zusammengestellte Übersicht gibt es hier. Es empfiehlt sich jedoch, sich im Einzelfall bei der zuständigen Gemeinde zu erkundigen.

Nachbarn, Gartenzwerge, Foto: Gina Sanders/fotolia.com
Die Gartenzwerge der Nachbarn müssen Hausbesitzern nicht gefallen – dulden müssen sie sie trotzdem. Foto: Gina Sanders/fotolia.com Foto: Gina Sanders/fotolia.com

Gartenzwerge und Nacktsonnen

So wenig das einem genervten Nachbarn gefallen will: Hässliche Gartenzwerge gelten nicht als Immissionen und müssen daher geduldet werden. Ähnlich verhält sich das mit nackten menschlichen Körpern: Wenn der Nachbar sich im Garten gern im Adamskostüm zeigt, müssen Hausbesitzer das aushalten. Grenzenloses Nacktsonnen ist trotzdem nicht in allen Fällen erlaubt, denn wer sich allzu öffentlich zeigt, riskiert eine Anzeige wegen Verletzung des öffentlichen Anstandes. In einem nicht öffentlich einsehbaren Garten besteht diesbezüglich jedoch kaum eine Gefahr.

Baum des Nachbarn ragt aufs Grundstück

Etwas knifflig wird die Angelegenheit, wenn Äste oder Sträucher vom Nachbargrundstück auf das eigene ragen. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass Schattenwurf als negative Immission gewertet werden kann. Das Gewächs darf einem Grundstückseigentümer also nicht zu viel von der Sonne nehmen. Zwar können Eigentümer nicht vom Nachbarn verlangen, den Baum oder die Hecke zu beschneiden. Dafür gesteht ihnen das sogenannte Überhangrecht zu, selbst zur Heckenschere zu greifen – Voraussetzung ist hier jedoch, dass die Arbeiten fachmännisch geschehen, also kein übermäßiger Schaden an der Pflanze entsteht.

Freundlich bleiben, Frieden wahren

Bei allen rechtlichen Regelungen und Gesetzen sollte bei Auseinandersetzungen mit dem Nachbarn stets das persönliche Gespräch dem Gang zum Rechtsanwalt vorgezogen werden. Wer sklavisch mit aller Härte des Gesetzes über seine Grundstücksgrenze wacht, wird am nachbarschaftlichen Zusammenleben bald nicht mehr allzu viel Freude haben. Ein Beispiel: Laut Gesetz gilt ein Federball, der über die Grundstücksgrenze fliegt, als „grobkörperliche Eindringung“. Der Federballspieler hat kein Recht darauf, den Ball zurückzuverlangen. In der Praxis dürften die meisten Nachbarn den Ball wohl trotzdem zurückgeben. Gesunder Menschenverstand und gegenseitige Rücksichtnahme helfen oft mehr als jedes Gesetz.

17.04.2015


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