Neue Grunderwerbsteuer: Wann sich die Weitergabe in der Familie noch dieses Jahr lohnt

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Die Steuerreform kommt im Jahr 2016 – zumindest wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht. Änderungen gibt es unter anderem auch bei der Grunderwerbsteuer: Künftig soll es bei Verkauf, Schenkung oder Erbschaft innerhalb der Familie einen gestaffelten Tarif geben. Das hat zur Folge, dass es sich für einige lohnen kann, ihre Immobilie noch dieses Jahr zu verschenken. Für Andere kann es ab 2016 dagegen sogar billiger werden.

Grunderwerbsteuer, Haus, Foto: JS-LE-PHOTOGRAPHY/fotolia.com
Ob es sich lohnt, das Haus noch vor der Reform der Grunderwerbsteuer an die Kinder weiterzugeben, ist vor allem von seinem Wert abhängig. Foto: JS-LE-PHOTOGRAPHY/fotolia.com Foto: JS-LE-PHOTOGRAPHY/fotolia.com

Bei Erbschaften, Schenkungen und Verkäufen innerhalb der Familie wird es ab 2016 voraussichtlich einige Änderungen bei der Grunderwerbsteuer geben. Nach dem Willen der Bundesregierung soll für die Berechnung künftig ein gestaffelter Tarif festgelegt werden. Je nach Wert der Immobilie ändert sich dann auch die anfallende Grunderwerbsteuer. Bislang waren für eine Weitergabe von Immobilien im engen Familienkreis zwei Prozent fällig, der unvergünstigte Steuersatz betrug 3,5 Prozent.

Berechnung der Grunderwerbsteuer innerhalb der Familie mit dem gestaffelten Tarif

Der Plan der Bundesregierung sieht folgende Tarife für die Berechnung der Grunderwerbsteuer vor:

  • Bis zu einem Wert von 250.000 Euro: 0,5 Prozent
  • Bis zu einem Wert von 400.000 Euro: 2 Prozent
  • Über 400.000 Euro: 3,5 Prozent

Berechnet wird die Steuer dabei ebenfalls nach Staffelung. Einen speziellen Tarif für den engen Familienkreis soll es künftig nicht mehr geben.

Beispielrechnung:

Bei einem Immobilienwert von 600.000 Euro beträgt die Steuer 11.250 Euro. Diese setzt sich aus folgenden drei Rechenschritten zusammen:

  • 1.250 Euro für die ersten 250.000 Euro (0,5 Prozent)
  • 3.000 Euro für die nächsten 150.000 Euro (2 Prozent)
  • 7.000 Euro für die letzten 200.000 Euro (3,5 Prozent)

Die Summe der drei Rechenschritte ergibt die Steuer von 11.250 Euro

Berechnungsgrundlage ändert sich: Künftig zählt der Verkehrswert

Eine weitere Entscheidung der Bundesregierung: Bei der Berechnung der Grunderwerbsteuer soll als Grundlage nicht mehr wie bisher der dreifache Einheitswert herangezogen werden. Stattdessen kommt künftig der deutlich höhere Verkehrswert der Immobilie zum Einsatz – also der Wert, den eine Immobilie auf dem Markt tatsächlich hat. Das hat nicht nur zur Folge, dass die Berechnungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer ab 2016 voraussichtlich deutlich höher sein wird, sondern sorgt auch für zusätzliche Nebenkosten: Denn den Verkehrswert kann in der Regel nur ein Gutachter feststellen, der dafür 600 Euro oder mehr verlangt. Der Einheitswert wird dagegen vom Finanzamt nach einem bestimmten Berechnungsverfahren ermittelt.

Betrachtet man die Steuer allein, könnte die Steuerreform für die Weitergabe von Immobilien innerhalb der Familie sogar eine Erleichterung bringen – besonders bei niedrigpreisigen Immobilien.

Vergleich der alten und neuen Berechnungsgrunlage

Wie die Erste Bank und die österreichischen Sparkassen auf ihrer Webseite vorrechnen, könnte dies beispielsweise bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus im Burgenland mit 142 Quadratmetern der Fall sein.

  • Momentan gültige Berechnung:
    Einheitswert 20.250 Euro
    Grunderwerbsteuer: 2 Prozent von 3 x 20.250 Euro = 1.215 Euro
  • Berechnung mit dem geplanten Tarif:
    Ungefährer Verkehrswert: 186.400 Euro
    Grunderwerbsteuer: 0,5 Prozent von 186.400 Euro = 932,50 Euro

Allerdings: Zählt man bei der Berechnung der Grunderwerbssteuer nach der Steuerreform noch Gutachterkosten von wenigstens 600 Euro hinzu, ist selbst die Weitergabe dieser günstigen Immobilie im Jahr 2016 teurer als im Moment.

Info

Eine Weitergabe der Immobilie im engen Familienkreis lohnt sich noch in diesem Jahr dann, wenn die Grunderwerbsteuer heuer geringer ausfallen würde als 2016. Das ist bei Immobilien der Fall, bei denen zwei Prozent vom dreifachen Einheitswert weniger ist als der neue Staffelprozentsatz vom Verkehrswert zusammen mit den Gutachterkosten.

Aktuell kann es am Gesetz allerdings auch noch Änderungen geben. Die Planungen sollen laut einem Sprecher des Finanzministeriums bis Ende Mai in einen Gesetzentwurf gegossen werden. Ein Beschloss im Parlament wird Ende Juli erwartet.

25.03.2015


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3 Kommentare

Dr. B am 19.10.2015 22:46

Die Vergleichsrechnung berücksichtigt nicht die 1,1% Grundbucheintragungsgebühren, die künftig ebenfalls auf Basis des Verkehrswertes zu bezahlen ist! Das wären dann noch einmal EUR 2.050,- statt EUR 668,-! Dann sieht die Rechnung schon... mehr

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Immowelt-Redaktion am 10.07.2015 09:03

Sehr geehrter Herr Hulan,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Leider können wir Ihnen diese Frage nicht beantworten. Zur Selbstberechnung der Grunderwerbsteuer sind laut Bundesministerium für Finanzen nur Rechtsanwälte und Notare befugt.... mehr

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Hulan Heinz am 08.07.2015 12:24

Sehr geehrte Damen und Herren.

Ersuche um nachstehende Anfragebeantwortung.

3- facher Einheitswert heute €128.850,-- daher fallen bei Übergabe 2015 € 2.577,-- an, soweit alles klar.

Welche Steuerbelastung in Summe ( ImmoEst ) fallen... mehr

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