Jeder Zehnte überprüft die Betriebskostenabrechnung nicht – was Mieter wissen sollten

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Jedes Jahr liegt sie im Briefkasten: die Betriebskostenabrechnung. Doch ob darin alles richtig ist, interessiert viele nur marginal. Jeder zweite Österreicher kontrolliert seine Abrechnung nur flüchtig, jeder Zehnte gar nicht. Was Mieter unbedingt darüber wissen sollten.

Betriebskostenabrechnung, Betriebskosten, prüfen, Foto: Photographee.eu / fotolia.com
Nur 41 Prozent prüfen die Betriebskostenabrechnung genau. Jeder Zehnte dagegen kontrolliert die Aufstellung gar nicht. Foto: Photographee.eu / fotolia.com Foto: Photographee.eu / fotolia.com

Zu Beginn des neuen Jahres treffen in vielen Haushalten die Betriebskostenabrechnungen ein. In ihr sind alle Posten aufgelistet, die der Mieter übernehmen muss. Nicht selten stehen auch Nachzahlungen an. Ob die Abrechnung korrekt ist, scheint viele Österreicher aber nicht zu interessieren. Jeder Zweite wirft nur einen kurzen Blick darauf, zehn Prozent vertrauen ihrem Vermieter sogar blind und kontrollieren die Abrechnung gar nicht. Das hat eine Studie von immowelt.at ergeben. Immerhin: 41 Prozent überprüfen die Nebenkosten bis ins Detail.

Wie genau die Betriebskostenabrechnung überprüft wird, ist dabei abhängig von den Familienverhältnissen. Familien mit Kindern sind sorgsamer, wenn die Abrechnung des Vermieters ins Haus flattert – über die Hälfte, nämlich 51 Prozent, kontrollieren die Aufstellung genau. Und genaues Hinschauen lohnt sich.

Das müssen Mieter bei der Überprüfung ihrer Abrechnung wissen:

Verschiedene Wohnungen, verschiedene Gesetzesgrundlagen

Um ihre Betriebskostenabrechnung genau kontrollieren zu können, sollten Mieter zunächst wissen, welches Gesetz für ihre Wohnung gilt. Viele Wohnungen fallen unter das Mietrechtsgesetz (MRG). Darin ist genau festgelegt, was als Betriebskosten verrechnet werden kann – und was nicht. Erlaubt sind beispielsweise Kosten für die Wasserversorgung des Hauses, Stromkosten, öffentliche Abgaben sowie laufende Betriebskosten von Gemeinschaftsanlagen.

Für die Wohnungen, die nicht unter das MRG fallen, gilt zumeist das Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch (ABGB). Hier können Betriebskosten freier bestimmt werden. In jedem Fall müssen sie Mieter und Vermieter aber deutlich im Vertrag vereinbaren. Wird nichts festgeschrieben, muss der Vermieter sämtliche Lasten tragen. 

Was der Mieter über die Betriebskostenabrechnung wissen sollte

Im MRG ist durch einen Katalog genau geregelt, welche Betriebskosten auf den Mieter überwälzbar sind. Hier sind vier Punkte, auf die man bei der Betriebskostenabrechnung in jedem Fall achten sollte:

  1. Die Betriebskostenabrechnung muss vollständig und nachvollziehbar sein – dazu gehört auch, dass die Ausgaben mit einem Beleg nachträglich nachgewiesen werden können. Eine einfache Summenangabe für das vergangene Jahr reicht nicht aus, sondern einzelne Posten müssen aufgeführt werden.
  2. Vermieter oder Verwaltung müssen dem Mieter Belegeinsicht gewähren. Wird oder kann diese nicht erbracht werden, ist die Abrechnung falsch und die Nachzahlung nicht fällig. 
  3. In der Abrechnung sollten sich nur Kostenstellen befinden, die in §21 – 24 des MRG aufgeführt sind.

4. Der Mieter sollte überprüfen, ob einzelne Positionen im Gegensatz zum Vorjahr extrem angestiegen sind und die Gründe hinterfragen. Die Erhöhung der Betriebskostenpauschale sollte – an den Gesamtausgaben des Vorjahres gemessen – maximal zehn Prozent betragen.

Besonders beachten sollten Mieter bei ihrer Betriebskostenabrechnung vor allem folgende Punkte:

  • Unter Verwaltungskosten fallen zwar Buchungsgebühren – aber Kosten für Porto, Bankspesen oder Telefongebühren zählen nicht dazu. 
  • Misstrauisch sollten Mieter auch beim Punkt Sonstiges werden. Viele dort aufgeführte Punkte sind gar keine Betriebskosten, zum Beispiel Rechtsanwaltskosten, Kosten für Mietzinsrückstände oder Delogierungskosten.

Fristen für Mieter und Vermieter

Der Vermieter muss die Betriebskosten spätestens bis zum 30. Juni des folgenden Jahres abrechnen. Dazu gehört auch, dass er die Abrechnung entweder an einer geeigneten Stelle im Haus aufhängen oder dem Mieter in sonstiger Weise Einsicht gewähren muss. Diese sogenannte „Legung der Abrechnung“ kann der Mieter auch per Antrag fordern, wenn keine Kostenaufstellung vorliegt – oder eine falsche. Ist die Betriebskostenabrechnung zwar korrekt, der Mieter hat jedoch Zweifel an bestimmten Positionen, kann die Abrechnung inhaltlich von der Schlichtungsstelle oder vom Gericht durch einen Antrag überprüft werden.  

Vermieter müssen die Betriebskostenabrechnung zwar bis Juni des Folgejahres abrechnen, können sie aber noch bis Dezember ergänzen. Nach diesem Jahr erlischt das Recht des Vermieters, weitere Kosten geltend zu machen. Liegt eine korrekte Betriebskostenabrechnung vor, hat der Vermieter drei Jahre Zeit, eine Nachzahlung des Mieters geltend zu machen. Auch der Mieter hat drei Jahre, um Rückzahlungen notfalls einzuklagen.

Betriebskostenüberprüfungen sind sowohl bei vollanwendbarem MRG-Gesetz als auch bei der ABGB-Miete bis zu drei Jahre rückwirkend möglich. Die Frist beginnt dabei immer  erst, wenn eine Betriebskostenabrechnung vorliegt. Bei Sonderformen wie dem Wohngemeinnützigkeitsgesetz (WGG), das für Genossenschaftswohnungen gilt, oder dem Heizkostenabrechnungsgesetz (HeizKG) sind diese Fristen jedoch bedeutend kürzer: nämlich nur sechs Monate. 

18.03.2015


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1 Kommentar

Ronald Geppl am 08.04.2015 22:35

Rechtzeitig in die Belege Einsicht nehmen ist ebenfalls angeraten!

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