„SPÖ-Entwurf zu Mietobergrenzen würde sich dramatisch auf den Immobilienmarkt auswirken“ – Interview mit Michael Pisecky

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Die SPÖ sieht in ihrem Entwurf für ein neues Universalmietrecht feste Mietobergrenzen vor: Demnach soll in allen Wohnungen, die älter als 20 Jahre sind, ein Basis-Mietzins von 5,50 Euro netto pro Quadratmeter gelten. Immowelt.at sprach dazu mit Michael Pisecky, Geschäftsführer von s REAL Immobilien und Obmann der Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder.

Mietobergrenzen, Pisecky, Foto: s REAL
Kritisiert den SPÖ-Entwurf zu Mietobergrenzen: Michael Pisecky, Geschäftsführer von s REAL Immobilien und Obmann der Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Foto: s REAL

Immowelt.at: Herr Pisecky, wenn wir davon ausgehen, dass das neue Universalmietrecht so eingeführt wird, wie die SPÖ es plant – wie würden sich die Mietobergrenzen auf den Immobilienmarkt auswirken?

Michael Pisecky: Der SPÖ-Entwurf zu Mietobergrenzen würde sich dramatisch auf den Immobilienmarkt auswirken. Das Problem, das wir auf dem Markt in Wien jetzt schon haben, würde sich auf ganz Österreich ausdehnen.

Immowelt.at: Welches Problem ist das?

Michael Pisecky: In Wien gehen durch die aktuelle Gesetzgebung und viel zu niedrig angesetzte Richtwertzinse bereits jetzt mehr als 200 Miethäuser im Jahr verloren, die verkauft und in Eigentumswohnungen umgewandelt werden – vor allem Gründerzeithäuser. Hätten wir in ganz Österreich einen so niedrigen Basis-Mietzins, würden private Investitionen in vermietbaren Wohnraum überall uninteressant, das Angebot an Mietwohnungen würde schlagartig sinken. Nur noch das Nötigste würde renoviert.

Immowelt.at: Welche Konsequenzen hätten diese Entwicklungen insbesondere für Immobilienmakler?

Michael Pisecky: Die Makler hätten dann immer weniger Mietwohnungen zur Verfügung, die sie vermitteln können – es gäbe deutlich mehr Nachfragen als Angebote. Je knapper der Markt, desto unangenehmer ist das natürlich auch für Immobilienmakler. Wir müssten dann viele unserer Kunden enttäuschen: Mietern müssten wir sagen, dass nicht genug Wohnungen zur Verfügung stehen, Vermietern erklären, dass sie ihre Vorstellungen von der Miethöhe in der Praxis nicht umsetzen können.

Immowelt.at: Wie könnte ein modernes Mietrecht in der Praxis stattdessen aussehen?

Michael Pisecky: Ich stimme mit der SPÖ nur darin überein, dass das jetzige Mietrecht dringend überarbeitet werden muss und einem modernen transparenten Wohnrecht weichen muss. 100 Jahre Mietrecht sind genug, damit sollte das neue Gesetz 2016 eingeführt werden. Eine neue Gesetzgebung müsste Transparenz schaffen, investitionsfreundlich sein, und ermöglichen, dass die Höhe der Miete dem Wohnwert entspricht. Es muss lohnenswert bleiben, eine Wohnung zu vermieten. Ansonsten wird es in Zukunft einen Mangel an freien Mietwohnungen geben. Außer den Einkommensstarken würden alle anderen in Sozialwohnungen leben. Das kann nicht das Ziel der Politik sein. Nur ein ausreichendes Angebot kann die Basis für leistbare Mieten bewirken.

08.01.2015


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Nadja Shah am 02.02.2015 14:19

Was für eine seltsame Panikmache - Angst ist ein schlechter Begleiter, wenn es um Entscheidungen geht. Wer als Ziel leistbare Mieten hat und Wohnen als ein Grundbedürfnis ansieht, wird wohl gesetzliche Rahmenbedingungen setzen müssen,... mehr

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