Wien will mit neuer Bauordnung hohen Grundstückskosten entgegentreten

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Mit einer Novelle der Bauordnung will Wien kostengünstiges Bauen und Wohnen forcieren. Die Änderungen sollen unter anderem die Möglichkeiten zur Spekulation mit Grundstücken eindämmen und die Schaffung von neuem Wohnraum erleichtern.

Bauordnung, Wien, Foto: Jobst / PID Wien
Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Gemeinderat Christoph Chorherr präsentierten die wichtigsten Änderungen in der Wieder Bauordnung. Foto: Jobst / PID Wien Foto: Jobst / PID Wien

Die Stadt Wien novelliert ihre Bauordnung. Mit Änderungen bei der Widmung von Bauland, der Erleichterung von Dachgeschossbauten und neuen Standards für den Anbau von Balkonen will die Stadt einerseits Bauen und Wohnen vergünstigen und andererseits die Lebensqualität steigern. Die Novelle der Bauordnung wurde bereits im Gemeinderatsausschuss für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung behandelt und soll Ende Juni 2014 beschlossen werden. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Gemeinderat Christoph Chorherr gaben in einer Meldung vorab die wichtigsten Änderungen bekannt.

Neue Bauordnung als Maßnahme gegen Grundstücksspekulation

Wer in Wien Geld in den Neubau von Wohnungen steckt, muss einen erheblichen Teil zunächst in den Grundstückskauf investieren. Doch Grundstücke werden nicht nur gekauft, um sie zu bebauen, sondern auch, um damit zu spekulieren. Investoren kaufen Bauland und verkaufen es später zu gestiegenen Preisen. Dem will die Stadt nun entgegentreten, indem sie die Möglichkeit schafft, die Widmung „Bauland“ nur noch befristet festzulegen. In der Praxis bedeutet das, dass Bauland innerhalb einer bestimmten Frist bebaut werden muss – ansonsten tritt eine Bausperre in Kraft. Der Gesetzesentwurf sieht dabei variable Fristen vor, die von den Fachabteilungen für Flächenwidmung von Fall zu Fall neu festgelegt werden können.

Neu eingeführt werden soll darüber hinaus die Widmungskategorie „förderbarer Wohnbau“. Bauherren dürfen auf entsprechend gewidmeten Grundstücken zwar geförderte, nicht jedoch frei finanzierte Wohnungen bauen. Die Neubauten müssen darüber hinaus die bautechnischen Spezifikationen der Wohnbauförderung erfüllen, beispielsweise beim Wärmeschutz.

Erleichterungen beim Dachgeschossausbau

Auch die Auflagen zur Errichtung von Dachgeschosswohnungen werden nach dem Willen der Stadt vereinfacht. Vor allem durch Erleichterungen bei der sogenannten Aufklappung eines bestehenden Daches soll neuer Wohnraum entstehen. Dabei wird die Dachneigung erhöht – so entsteht im Inneren mehr Platz. Auch der Zubau von Balkonen soll vereinfacht werden: Balkone dürfen künftig auch über öffentliche Verkehrsflächen ragen – natürlich unter Einhaltung der Entsprechenden Sicherheitsbestimmungen.

Für energieeffiziente Gebäude entfällt zudem künftig die Pflicht, Notkamine zu errichten. Diese waren bislang vorgeschrieben, um ein Haus im Falle eines Ausfalls von Strom und Gas weiterhin notdürftig beheizen zu können. Durch die verbesserte thermische Qualität der Außenhülle von Gebäuden blieben die Raumtemperaturen allerdings auch bei Ausfall einer Heizanlage weiterhin im verträglichen Bereich, so Ludwig und Chorherr.

Änderungen bei der Stellplatzpflicht

Eine weitere Änderung betrifft die Regelung, nach der bislang für jede Wohnung auch ein Stellplatz für ein Auto errichtet werden muss – unabhängig vom tatsächlichen Bedarf oder der Größe der Wohnung. In Zukunft müssen Bauherren nur noch einen Stellplatz pro 100 Quadratmeter Nutzfläche schaffen. Verringerte Baukosten, vor allem bei kleineren Wohnungen, sollen die Folge sein.

Geht es nach der Wiener Landesregierung, sollen die Gesetzesänderungen Ende Juni im Landtag beschlossen und bereits ab Juli 2014 im Baurecht verankert sein. Im Anschluss tritt der überwiegende Anteil der Änderungen sofort in Kraft, einige wenige erst nach drei Monaten oder im Juni 2015.

27.05.2014


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