Nachbar kann für wilde Tauben verantwortlich sein

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Grundstückseigentümer können für Schäden von wildlebenden Tauben haftbar gemacht werden. Wenn sie diese anlocken, indem sie sie füttern oder ihr Grundstück verwildern lassen, können sie gegebenenfalls verpflichtet werden, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dies entschied der Oberste Gerichtshof (Az.: 8 Ob 78/13y).

Tauben, Grundstück, Foto: Erni/fotolia.com
Wilde Tauben fühlen sich auf verwilderten Grundstücken besonders wohl. Für ihren Schmutz haftet im Zweifel der Grundstückseigentümer. Foto: Erni/fotolia.com Foto: Erni/fotolia.com

Wenn ein Grundstückseigentümer absichtlich oder unabsichtlich wildlebende Tauben anlockt, kann er unter Umständen für Schäden, die von den Tieren angerichtet werden, verantwortlich gemacht werden. Dies entschied der Oberste Gerichtshof (OGH) in einem aktuellen Urteil. Im vorliegenden Fall hatte der Besitzer eines Grundstücks in der Wiener Innenstadt seine Dachterrasse dicht bepflanzt und anschließend verwildern lassen. Das Gestrüpp nutzten Tauben als Rückzugsort. In der Folge entstanden auf dem Nachbargrundstück starke Verunreinigungen durch Taubenkot.

Nachdem die Richter in den Vorinstanzen entschieden haben, dass den Grundstückseigentümer keine Verpflichtung treffe, Maßnahmen gegen das Verhalten der Tiere zu ergreifen, hob der Oberste Gerichtshof (OGH) diese Entscheidung auf und verwies den Fall an das Erstgericht zurück. In ihrer Begründung führten die Richter aus, dass ein Grundstückseigentümer für Schäden durch wilde Tauben verantwortlich gemacht werden könne, wenn er sie durch sein eigenes Handeln anlockt, also etwa durch Füttern oder besonders dichte Bepflanzung. Ohnehin grundsätzlich verantwortlich wäre der Grundstückseigentümer, wenn es sich um Brieftauben handelte, also bewusst gehaltene Haustiere.

Wilde Tauben gelten als unbeherrschbar

Die Entscheidung des OGH ist insofern bemerkenswert, als dass Grundstückseigentümer im Normalfall keine Verpflichtung trifft, das Verhalten wilder Tiere zu kontrollieren – vor dem Gesetz gelten insbesondere wilde Tauben als unbeherrschbar. Im vorliegenden Fall berief sich der Kläger allerdings mit Erfolg darauf, dass das Gestrüpp auf der Dachterrasse seines Nachbarn ein idealer Lebensraum für Tauben sei. Indem er sich weigerte, es zu beschneiden, lockte er die Tiere bewusst an und nahm die Verunreinigungen, auch auf dem Nachbargrundstück, billigend in Kauf.

22.10.2013


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