Der Bausparvertrag – ein Klassiker der Baufinanzierung

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Der Bausparvertrag ist eine der beliebtesten Sparformen in Österreich – vor allem weil sie durch Zinsobergrenzen und Möglichkeiten zur fixen Verzinsung eine besonders verlässliche Anlage darstellen. Ein Bausparvertrag gilt als bewährte Baufinanzierungsvariante, um sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen.

Bausparvertrag, Eigenheim, Foto: drubig-photo/fotolia.com
Der Bausparvertrag gilt nach wie vor als verlässlicher Weg zur Verwirklichung des Traums vom eigenen Heim. Foto: drubig-photo/fotolia.com Foto: drubig-photo/fotolia.com

Der Grundgedanke des Bausparens ist einfach. Viele zukünftige Häuslbauer zahlen regelmäßig kleinere Beiträge in einen großen Topf ein. Daraus geben die Bausparkassen allen Sparern das angesammelte Geld und zusätzlich ein Bauspardarlehen. Dieses Darlehen müssen Bausparer jedoch nicht notwendigerweise abrufen – als risikoarme Sparvariante mit staatlicher Förderung ist Bausparen nicht nur deshalb besonders beliebt.

Der Bausparvertrag und seine Elemente

Ein Bausparvertrag besteht in der Regel aus zwei Elementen: dem Bausparguthaben und dem Bauspardarlehen. Bevor der Bausparer sein Darlehen in Anspruch nehmen kann (aber nicht muss), muss er je nach Tarif zunächst einen bestimmten Prozentsatz seiner Bausparsumme als Guthaben angespart haben. Ein erstes Zwischendarlehen zur Überbrückung einer Finanzierungslücke ist häufig bereits nach einer 18-monatigen Ansparphase möglich, teilweise jedoch mit Zinseinbußen verbunden. Die volle Darlehenssumme ist in der Regel die Differenz zwischen der bereits angesparten Summe und der vorab vereinbarten Bausparsumme. Die Laufzeit eines Bausparvertrags beträgt mindestens sechs Jahre, wobei die Zinsobergrenze in der Darlehensphase maximal sechs Prozent beträgt. Ansonsten dient der europäische Referenzzinssatz Euribor als Richtschnur.

Staatliche Förderung

Jeder Bausparer erhält zusätzlich eine staatliche Prämie, deren Höhe immer im Herbst für das Folgejahr bestimmt wird. Seit 2012 liegt diese bei recht niedrigen 1,5 Prozent, wobei sich dieser Prozentanteil nicht auf das angesparte Guthaben, sondern auf die Höhe der Ansparleistung bezieht. Gefördert werden außerdem lediglich Beträge bis jährlich 1.200 Euro. Das bedeutet: Vom Staat gibt es pro Jahr im besten Fall gerade einmal 18 Euro.

Vertragsabschluss

Bausparwillige können ihren Vertrag direkt bei Bausparkassen oder bei den meisten Banken und Sparkassen abschließen. Letztere betreiben häufig Kooperationen mit den Bausparkassen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, einen Bausparvertrag online abzuschließen – dadurch sparen sich die Vertriebspartner Kosten, von denen sie einen Teil als Online-Bonus an ihre Kunden weitergeben. Vergleichen lohnt sich also.

Zuteilung des Bauspardarlehens

Wann der Bausparer Zugriff auf die komplette Bausparsumme erhält, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Bausparkassen regeln je nach Tarif einen bestimmten Anteil an der Vertragssumme, der bereits eingezahlt sein muss, sowie eine Mindestvertragslaufzeit die notwendig ist, damit ein Bausparer zum Zuteilungsanwärter wird. Im Anschluss ist eine spezifische Kennzahl ausschlaggebend dafür, wann der Kredit ausgezahlt werden kann. Diese Zahl wird von den Bausparkassen nach unterschiedlichen Verfahren errechnet – häufig ist sie jedoch zumindest in Teilen abhängig von der bereits eingezahlten Bausparsumme und der Summe aller Guthaben bei der jeweiligen Bausparkasse.

Verwendung des Bauspardarlehens

Bauspardarlehen dürfen für folgende Zwecke aufgewendet werden:

  • Kauf eines Baugrundstückes, eines Wohnhauses oder einer Eigentumswohnung
  • Bau eines Eigenheims
  • Veränderungen an einem bestehenden Wohnbau
  • Ausbau des Eigenheims
  • Maßnahmen zur Energieeinsparung
  • Tilgung von Hypotheken zur Grund- oder Wohnraumbeschaffung
  • Renovierung, Sanierung oder Modernisierung
  • Auszahlung von Miterben oder Mitbesitzern

Unter bestimmten Umständen darf ein Bauspardarlehen auch für Zwecke verwendet werden, die nichts mit dem Bau, Erwerb oder Umbau eines Eigenheims zu tun haben. Diese Fälle sind:

  • Studium
  • Pflegefälle (für die eigene Person oder nahe Angehörige)
  • Zweiter Bildungsweg
  • Berufsausbildung

Fixe oder variable Verzinsung?

Ob ein fixer oder ein variabler Bausparvertrag besser geeignet ist, hängt vor allem vom eingangs erwähnten Referenzzinssatz Euribor ab. Steigt dieser, etwa weil die Europäische Zentralbank den Leitzins erhöht, profitieren Bausparer mit variabler Verzinsung. Fällt er dagegen, kann Bausparen mit einem Fixzins-Vertrag profitabler sein. Im Endeffekt hängt die Wahl auch von den individuellen Vertragsbedingungen der Bausparkassen ab. Es lohnt sich, Angebote zu vergleichen, mit einem Ansprechpartner bei einer Bank oder Bausparkasse verschiedene Szenarien der Zinsentwicklung durchzurechnen und diese individuell auf ihre Wahrscheinlichkeit zu prüfen.

Vorzeitige Auflösung

Wenn ein Bausparer in finanzielle Engpässe gerät und gezwungen ist, seinen Bausparvertrag vorzeitig zu kündigen, kommen einige unangenehme Folgen auf ihn zu:

  • Die Bausparkasse behält zusätzlich einen Verwaltungskostenbeitrag ein, der 0,5 bis zwei Prozent der vereinbarten Bausparsumme ausmachen kann.
  • Die Sparzinsen werden nachträglich auf ein geringes Maß von 0,5 bis ein Prozent reduziert.
  • Die staatliche Prämie wird nicht ausbezahlt.

Von einer vorzeitigen Auflösung eines Bausparvertrags ist also abzuraten – in Einzelfällen und bei besonders früher Auflösung kann es sogar passieren, dass der Bausparer weniger zurückerhält als er bis zum Zeitpunkt der Auflösung eingezahlt hat. Bausparen lohnt sich nur dann wirklich, wenn der potenzielle Häuslbauer auch bis zum Ende der Vertragslaufzeit durchhält.

05.09.2013


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